25 Jahre Motorradfahren

25 Jahre hinter Walter

Die Saison 2011 war für uns die 25. gemeinsame Motorradsaison!!!!!!! 

Vielleicht ist das ein Zeitpunkt zum innezuhalten und die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen.

Mein bester Fahrer der Welt fuhr schon ein paar Jahre und war sehr froh, dass er in mir eine begeisterte Sozia fand.

Gemeinsam haben wir nun ca. 300.000km unter die Reifen gehabt. 

An fast jedem schönen Wochenende sind wir unterwegs gewesen, ohne dabei aber fanatisch zu sein.
Es gab auch immer noch genügend Raum für andere Hobby`s.

Wir haben viele superschöne Stunden und Tage auf und mit unserem Moped verbracht.
Was gibt es schöneres, als auf kleinen und kleinsten Sträßchen die Gegend zu erkunden.

In dem Moment da wir des Morgens unsere Kombis anzogen, war es, als ob damit der normale Alltag abgestreift wird.

Es ist die totale Entspannung abseits der Hauptrouten, durch die Kurven zu gleiten. Du brauchst keinem etwas zu beweisen, Du bist eins mit Deiner Maschine und in unserem Fall mit dem Partner. Wenn mein bester Fahrer den richtigen Rhythmus gefunden hat, klar ich muss ihn auch schon mal bremsen :-), kommt es mir vor, als würde ich in eine Meditation verfallen.

Wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre: Gaaaanz am Anfang hat ER mir die Karte in die Hand gedrückt,
das war übrigens in Griechenland und hat gesagt: Guck Du mal!!

Ja, und das hat mir solchen Spaß gemacht, da komme ich gar nicht mehr von los.
Was das Planen von Touren angeht, Sozia hin oder her, das ist ein richtiges Hobby von mir geworden.
In den Wintermonaten arbeite ich meistens neue Touren für die kommende Saison aus.

Natürlich haben wir uns auch oft gefragt, warum wir kein anderes Hobby haben: mal ist es zu nass, zu kalt, dann wieder zu heiß.

Als wir vor 25 Jahren das erste Mal den langen Landweg nach Griechenland fuhren, hatten wir noch nicht die heute übliche funktionelle Bekleidung. Wir hatten eine Kombi aus so einem Wachszeug, das Zeug war irre warm, machte ganz schmutzige Hände und stank in der Hitze (Wachs, Belstaff), war aber verhältnismäßig dicht.

Außer wenn es ganz schlimm kam, und das erlebt man ja immer wieder. Dann wurde die Kombi nicht nur nass, sondern auch schwer!!!

So sind wir einmal, auf dem Weg nach Griechenland, in der Schweiz durch so dichtes Schneetreiben gefahren, dass wir den Vierwaldstädter See – links neben der Straße, vor lauter Schnee nicht sehen konnten.

Bei den beiden anderen, wirklich SCHLIMMEN Wettererlebnissen fällt mir spontan des Penser Joch ein: in einer Wahnsinns Suppe (REGEN; NEBEL; HAGEL ) den Berg hinauf und hinunter, um dort für 3 Tage ein Zimmer zu suchen.
Der Regen ist selbst in unsere Koffer reingekommen, wir mussten alles erstmal trocknen.

Und dann eben die Fahrt über den Predil, an der Mangart Schlucht vorbei: Es hat so sehr geregnet, wenn ich den Kopf nur ein wenig anhob, fühlte es sich an, als ob mir jemand einen Eimer Wasser nach dem anderen in den Helm schüttet.

Unten angekommen stellten wir fest, dass zwischenzeitlich der Pass gesperrt war: MURENABGÄNGE!! 
Auch hier: Hotelsuche und trocknen! An dem Tag haben wir mit dem Fön jeden einzelnen Geldschein und alle Papiere getrocknet.
Er trägt seitdem die Papiere immer in der Goretex-Membrane :-)

Sicherlich ist Motorradfahren auch anstrengend, zumindest wenn man, wie wir, fast ausschließlich große Touren fährt.
Für 100km ziehe ich mich gar nicht erst um.

Eine gewisse Kondition muss schon dabei sein. Allerdings fahren wir fast nie länger als 1 Stunde an einem Stück, dann gibt es kurzes Päuschen, gerne auch mit Aktiveinlagen:

Irgendwie planen wir diese heute anders ein, trennen es aber meist vom Motorradfahren oder ziehen uns zumindest am Moped um.

Doch zu unseren Pionierzeiten sind wir oft in voller Kombi losgelaufen: z.B.: die Via Mala in der Schweiz (600Stufen) hinunter, oder den großen Arber von der letzten Bahnstation per Pedes hinauf. Bei 30Grad versteht sich.

Das war eben unsere Hard Core Variante :-) heute machen wir unsere Päuschen am besten da, wo man gleich noch einen schönen Ausblick hat, dann kommen wir aus dem Entspannen und Genießen gar nicht mehr raus.

Wobei wir beim Thema Pausen angekommen sind.
Wir sind bekennende Picknicker. Ähnlich wie die Holländer, allerdings ohne Klappstuhl, gehen wir immer mit genügend Proviant auf Tour. Angefangen hat es, nachdem wir uns mehrmals über geschlossene, oder überteuerte Gaststätten mit zu 50% Wahrscheinlichkeit schlechter Qualität und generften, oder unfähigen Kellnern geärgert haben. Wir sind schon im Bergischen unterwegs gewesen und haben, da wegen Kinderkommunion geschlossene Gaststätten, erst nach Stunden eine Einkehrmöglichkeit gefunden.

Die längste Wartezeit hatten wir allerdings irgendwo in Belgien, dort haben wir 2 Stunden auf Waffeln gewartet!!! So nach dem Motto, jetzt gehen lohnt ja nicht, jetzt kommen sie bestimmt. War auch die Aussage der Kellnerin :-)

Ach ja und die Kalamares in Griechenland hätte ich beinahe vergessen:
Wunderschön, direkt am Meer gelegen eine Taverne, dort bestellten wir Kalamares. Wir warteten.
Der nächste Tisch wurde besetzt, sie bestellten. Wir warteten.
Wir saßen schön und waren nur ein ganz klein wenig entnervt.

Nachdem der 3 Tisch besetzt war und die Bestellung aufgegeben hatte, kam die Küche in Schwung und die Kalamares auf den Teller.

Mensch, was waren die übel!!! Selbst die allgegenwärtigen, immer hungrigen Katzen verspürten keinen Appetit darauf.
Kurzerhand ließen wir das Mittagessen ausfallen, der Hunger treibt eben doch nicht alles hinein. 

So ist es also gekommen, dass wir nun fast immer in der schönen Natur Platz nehmen.

Unsere Website entstand erst vor ein paar Jahren, nachdem ich einer online Anfrage so umfangreich Antwort gab, dass schon fast der erste Reisebericht fertig war. 

Neben ungezählten Tages- und Wochenendtouren, hier aber noch eine kurze Auflistung unserer vorigen Urlaube:

            Südfrankreich, Cannes

            Tour durch die Grandes Alpes bis zur spanischen Grenze

4 Wochen Griechenland – Peloponnes – und zwar den ganzen langen Fahrweg: Küstenstraße durch Jugoslawien und  rund um Albanien

6 Wochen Griechenland – diesmal aber mit der Fähre, wieder zur Peloponnes

Tour quer durch die französischen Pyrenäen bis zur Atlantikküste

Griechenland – nördlicher Peloponnes und Zakinthos

Griechenland – Chalkidiki (Flug und gemietetes Motorrad)

Tour quer durch die spanischen Pyrenäen bis zum Golf von Biskaya

Costa Verde – Nordküste Spaniens am Golf von Biskaya

Alpenurlaube – die zähle ich jetzt nicht alle auf, es sind welche dabei, an denen wir einen, oder mehrere Standorte hatten, es sind aber auch reine Fahrurlaube dabei. 

Ich kann mich noch gut an einen dieser Urlaube erinnern, wir wollten ganz zum Schluss noch bis zum Matterhorn, sind aber die letzten Tage in Savonign (Schweiz) am See hängen geblieben. Wir hatten ganz einfach KEINE LUST mehr!!!
Es ist nicht zu fassen, aber wir hatten nach 2 Wochen genug Berge und Kurven
:-)

In der Schweiz hatten wir auch ein einmaliges Erlebnis: ein Zimmer ohne Strom!! Ja, das ist wahr!!
Die Nachtischlämpchen und die Deckenleuchte alles Attrappe, es gab keinen Steckdose, keinen Strom.
Es war ein NEUES Zimmer in einem NEUEN HAUS und nicht preiswert. Und da war dann noch die Haushälterin des Küsters, die uns die Türe vor der Nase zugeschlagen hat, ebenfalls in der Schweiz.

Doch die in der Erinnerung nachhaltigsten Urlaube, waren unsere ersten Griechenlandurlaube.
Allein die Fahrt bis dort unvergesslich, aber auch wahnsinnig anstrengend.

1300 km an einem Tag bis hinter Rijeka, dann die ganze jugoslawische Küstenstraße und durch die wilde Bergwelt Montenegros (teils im Regen versteht sich). In dieser Bergwelt kilometerweit nichts außer rauer Natur, ab und zu ein winziges Dorf. Hotel? Wir sind an diesem Tag bis weit abends gefahren. Es wurde uns schon mulmig!!

Dann Ostern in Griechenland – nix Touris! – die totale Tradition und wir mittendrin.
An Karfreitag haben wir mit Kerzen in der Hand und schaurigster Blasmusik im Ohr an der traditionellen Grabtragung teilgenommen.

Ostersamstag nachts um 12:00Uhr erst auf dem Marktplatz die Auferstehung,
dann in einer uns bekannten Taverne dieselbige bis zum frühen Morgen gefeiert.

Auf einer kleinen Halbinsel, unserem Zimmer gegenüber, haben wir am Ostersonntag mit gegrilltem Lamm und den orthodoxen Priestern Zirtaki (oder hieß es Tzatziki?) getanzt und weiter gefeiert.

Ostern in Griechenland -  ein nie vergessenes Erlebnis.


Ja, früher…….

Eigentlich sagen es nur die Alten, aber es war tatsächlich manches unkomplizierter.

Heute sind die Motorräder zwar komfortabler und schneller. Wir haben auch die besseren, funktionsfähigen Klamotten. Wir haben mehr PS, werden nicht mehr nass und sitzen auch bequemer. Unsere Helme haben genau wie unsere Jacken und Hosen Belüftungen.

Wenn wir Zimmer suchen, schaut man uns nicht mehr scheel an, im Gegenteil man reißt sich um uns.
Wir sind nämlich die, die unterwegs sind und konsumieren.

Aber ist es wirklich trotz dieser Dinge schöner und besser?

Haben wir noch den "Flow" von damals?

Heute steht keiner mehr um unser Motorrad und bewundert es, bewundert uns, dass wir die lange Strecke fahren. (z.B. nach Frankreich, Kroatien, Griechenland usw.)

Wir sind keine Pioniere mehr!!!!

Manchmal auf den Straßen kommt es mir vor, als wenn wir im Krieg wären. Die Autofahrer mögen uns nicht, die meisten sind eher rücksichtslos.

Die Verkehrdichte ist so hoch, es passiert viel zu viel. 

Und so bleibt wir eben nur, noch mehr abseits der Hauptrouten zu fahren,
passen eben noch mehr auf und freuen uns schon wieder auf die nächste Saison.

Und immer schön auf die Anderen aufpassen!!

 

Dore

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